Der Begriff Extremismus ist umstritten. Er wird seit 1973 in Deutschland verwendet, um politische Einstellungen als verfassungsfeindlich zu bezeichnen. Vorher hieß es Radikalismus. Wissenschaftler betonen die Unterschiede zwischen den Extremismustypen.
Es wird auch kritisiert, dass die Behörden den Begriff in den politischen Diskurs eingeführt haben. Um Extremismus zu verstehen, müssen wir die Definition und die verschiedenen Arten kennen. Es ist wichtig, die Ursachen, Gefahren und Präventionsmaßnahmen zu beleuchten.
Die Rolle der sozialen Medien bei der Radikalisierung ist ebenfalls entscheidend. Sie beeinflussen, wie Menschen sich verhalten und denken.
Wichtige Erkenntnisse
- Extremismus ist ein umstrittener Begriff in der Forschung, der politische Einstellungen als verfassungsfeindlich einstuft.
- Der Begriff löste in den 1970er Jahren den zuvor verwendeten Begriff Radikalismus ab.
- Wissenschaftler kritisieren, dass behördliche Vorstellungen in den politischen Diskurs eingeflossen sind.
- Es gibt verschiedene Formen des Extremismus, die genauer betrachtet werden müssen.
- Die Ursachen, Gefahren und Präventionsmaßnahmen gegen Extremismus sind wichtige Themen.
Definition
Der Begriff “Extremismus” hat viele Seiten und wird oft in verschiedenen Kontexten genutzt. In Deutschland sind vor allem zwei Definitionen wichtig:
Offizieller Begriff des Verfassungsschutzes
Die deutschen Verfassungsschutzbehörden sehen ihn als Bedrohung. Sie betrachten ihn als “fundamentale Ablehnung des demokratischen Verfassungsstaats”. Es gibt keine gesetzliche Definition, aber es wird als Gefahr für die Demokratie gesehen.
Sozialwissenschaftliche Definition
Uwe Backes, ein Politikwissenschaftler, definiert Extremismus anders. Er sieht ihn als “politische Diskurse, Programme und Ideologien, die sich gegen demokratische Werte richten”. Die Diskussion um diesen Begriff ist in der Wissenschaft umstritten. Es ist oft schwer, zwischen Radikalismus und definition extremismus zu unterscheiden.
Die Debatte um normative extremismusbegriff und radikalismus vs. extremismus ist in der Wissenschaft komplex. Es gibt viele Perspektiven, die berücksichtigt werden müssen.
Begriffsherkunft und Abgrenzung
Der Begriff kam aus der Zeit der Totalitarismustheorien. Er entstand nach dem KPD-Verbot 1956. Damals wurde die “streitbare Demokratie” des Grundgesetzes neu interpretiert.
Der ehemalige Innenminister Maihofer unterschied zwischen Extremismus und Radikalismus. Er sagte, politische Ideen sind nicht immer verfassungswidrig, nur weil sie radikal sind.
Seit 1950 beobachtet das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Rechts- und Linksradikalismus. Erst 1962 gab es eine erste Publikation zum Rechtsradikalismus. 1973 wurde der Begriff ‘radikal’ durch ‘extremistisch’ ersetzt.
Im Laufe der Zeit wechselte der Begriff in den Sozialwissenschaften von ‘Radikalismus’ zu ‘Extremismus’. Der Extremismusbegriff löste den unklaren Radikalismusbegriff in den 70er Jahren ab. Ein extremistischer Staat ist das Gegenteil eines demokratischen Staates, Radikalismus eine Systemveränderung.
Es gibt zwei Arten von Extremismus: kognitiven und gewaltbereiten. Kognitiver Extremismus ist ohne extremistische Handlungen möglich. Er ist eine Voraussetzung für extremistische Handlungen. Gewalt ist Teil des Extremismus auf der Handlungsebene. Die Definition von Radikalismus in Bezug auf Gewalt variiert stark.
Manche sehen Radikalismus als Vorstufe zum Extremismus. Radikalisierung ist ein Prozess, Extremismus ein Zustand. Es gibt keine einheitliche Definition für Radikalisierung, was zu vielen Interpretationen führt.
Radikalismus | Extremismus |
---|---|
Systemveränderung | Gegenteil des demokratischen Verfassungsstaates |
Starke Variation in Bezug auf Gewalt | Beinhaltet Gewalt |
Dynamischer Prozess | Statischer Zustand |
Die Extremismusforschung hat Ähnlichkeiten zwischen rechten und linken Diktaturen gefunden. Nach dem Zusammenbruch des “real existierenden Sozialismus” erlebte die Totalitarismusforschung eine Renaissance. Diese Forschung sieht die Opferperspektive besser als andere Ansätze. Extremismuskonzepte nutzen Totalitarismuskonzepte für Kräfte im demokratischen Staat.
Extremismus im Verfassungsschutz
Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet und bekämpft Extremismus. Er sieht ihn als Gegensatz zum demokratischen Staat. Wichtig sind dabei Menschenrechte, Mehrheitsprinzip und politischer Pluralismus.
Extremistische Gruppen, die diese Werte verletzen, gilt der Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich. Im Jahr 2023 wurden 30.650 Personen als extremistisch eingestuft. Das ist 900 mehr als im Vorjahr.
Normative Sichtweise
Extremismus ist für den Verfassungsschutz eine Bedrohung für die Demokratie. Extremistische Gruppen verletzen Grundgesetze wie Menschenrechte und politischen Pluralismus. Sie wollen die bestehende Ordnung umstürzen, oft mit Gewalt.
Der Verfassungsschutz sieht solche Bestrebungen als verfassungsfeindlich. Er beobachtet sie daher genau.
Jahr | Gesamtzahl extremistisch motivierter Straftaten | Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund |
---|---|---|
2022 | 35.452 | 2.847 |
2021 | 33.476 | 2.994 |
Diese Zahlen zeigen, wie wichtig der Kampf gegen Extremismus ist. Es ist entscheidend, die demokratischen Prinzipien zu schützen.
Merkmale extremistischen Denkens
Extremistisches Denken ist geprägt von einem Absolutheitsanspruch. Extremisten glauben, ihre Sicht der Welt sei absolut wahr. Sie lehnen Mehrdeutigkeit ab und suchen stattdessen nach kohärenten Antworten.
Extremisten sehen die Welt in einfachen Farben. Sie teilen die Welt in “Gut” und “Böse”. Ihre Gruppe gilt als überlegen, während andere Meinungen abgelehnt werden.
Extremisten sind dogmatisch. Sie glauben, die Wahrheit zu kennen und tolerieren keine Ambiguität. Sie bevorzugen einfache Antworten auf komplexe Fragen.
“Extremisten behaupten, ihre Weltanschauung basiere auf ‘objektiven’ Erkenntnissen und sei absolut wahr.”
Dieses Denken führt zu einem manichäischen Weltbild. Alles wird entweder “gut” oder “böse” gesehen. Kompromisse werden ignoriert, was extremistisches Verhalten fördert.
Arten des Extremismus
Extremismus zeigt sich in verschiedenen Formen. Die Hauptarten sind Rechtsextremismus, Linksextremismus und religiöser Extremismus. Diese Strömungen lehnen die Demokratie ab und fördern radikale, oft gewalttätige Ideen.
Rechtsextremismus
Rechtsextremisten glauben an Nationalismus, Rassismus und Autorität. Sie wollen Deutschland in ein diktatorisches “Deutsches Reich” verwandeln. Ihr Ziel ist, die Demokratie durch ein autoritäres System zu ersetzen. Rechtsextreme Ideologien zeichnen sich durch eine Ablehnung der demokratischen Grundordnung und die Vorstellung von einer hierarchischen Gesellschaftsstruktur aus. Sie propagieren die Überlegenheit bestimmter ethnischer oder nationaler Gruppen und streben die Errichtung eines autoritären Staates an. Diese Strömungen lehnen die Vielfalt der Gesellschaft ab und setzen auf Uniformität und Homogenität. Sie sind häufig mit rassistischen, antisemitischen und nationalistischen Überzeugungen verbunden und neigen dazu, Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele zu betrachten. In Deutschland manifestieren sich solche Bestrebungen in verschiedenen Gruppierungen, die teils gewaltsam gegen staatliche Institutionen und Symbole vorgehen. Die Sicherheitsbehörden beobachten diese Aktivitäten aufmerksam, da sie potenzielle Gefahren für die öffentliche Sicherheit darstellen.
Linksextremismus
Linksextremisten sind gegen den Kapitalismus und den Staat. Sie wollen eine kommunistische oder anarchistische Gesellschaft. Manchmal setzen sie auch auf Gewalt. Linke Strömungen, die die bestehende freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen, streben nach einer grundlegenden Umgestaltung der Gesellschaft. Diese Bestrebungen zielen darauf ab, die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu überwinden und durch sozialistische oder anarchistische Modelle zu ersetzen. Dabei wird die Anwendung von Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele betrachtet. Ein zentrales Anliegen dieser Gruppen ist die Schaffung einer egalitären Gesellschaft, in der soziale und ökonomische Ungleichheiten beseitigt werden. Sie lehnen die Pluralität der Interessen und das Mehrparteiensystem ab und streben stattdessen nach einer homogenen Gesellschaft ohne soziale Hierarchien. Diese Haltung führt häufig zu Konflikten mit den Prinzipien der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Religiöser Extremismus
Religiöser Extremismus, vor allem Islamismus, basiert auf radikaler Religion. Gruppen wie der Salafismus und Dschihadismus wollen ein islamisches System. Der Dschihadismus nutzt Gewalt, der Salafismus nicht.
Obwohl sie unterschiedlich sind, teilen Extremisten einige Merkmale. Sie lehnen die Demokratie ab und glauben an absolute Wahrheiten. Gewalt, Ablehnung der Demokratie und Ungleichwertigkeitsvorstellungen sind typisch für sie.
Ursachen und Auslöser von Extremismus
Extremismus entsteht aus vielen Gründen. Forschungen zeigen, dass persönliche, soziale und gesellschaftliche Faktoren wichtig sind. Dazu gehören Geschlecht, Bildung, Autoritarismus und Diskriminierungserfahrungen.
Armut und politische Missstände spielen auch eine Rolle. Theorien aus Politikwissenschaft und Psychologie erklären diese Faktoren.
Extremistische Ideologien bieten Sicherheit in unsicheren Zeiten. Sie erfüllen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Radikalisierungsprozesse können von der ersten Hinwendung bis zu terroristischen Taten reichen.
Es gibt keine einheitlichen Radikalisierungsverläufe. Vielmehr gibt es verschiedene Wege, die von persönlichen Umständen beeinflusst werden. Präventionsmaßnahmen zielen darauf ab, Extremismus zu bekämpfen.
“Der Salafismus wird als die am stärksten wachsende islamistische Strömung in Deutschland identifiziert.”
Gefahren des Extremismus
Extremistische Gruppen sind eine große Gefahr für unsere Verfassung und Demokratie. Sie wollen wichtige Prinzipien wie Menschenrechte und Volkssouveränität beseitigen. Auch die Gewaltenteilung und politische Vielfalt sollen eingeschränkt werden.
Im Jahr 2022 gab es mehr extremistische Straftaten als je zuvor. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist besonders wichtig. Maßnahmen umfassen das Zerschlagen von Netzwerken und die Entwaffnung von Extremisten.
Rechtsextremisten zeichnen sich durch Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aus. Es ist wichtig, Hassreden im Internet zu stoppen und Radikalisierung zu verhindern.
Extremismus-Kategorie | Anzahl Personen |
---|---|
Rechtsextremisten | 24.100, davon die Hälfte “gewaltorientiert” |
Islamisten (Terrorismus) | 2.170 als “gefährlich” eingestuft |
Linksextremisten (gewaltorientiert) | 9.000 |
Um Gefahren des Extremismus zu bekämpfen, braucht es viele Maßnahmen. Dazu zählen der Abbau von Netzwerken, Entwaffnung und Kampf gegen Internet-Hass. Auch die Förderung einer demokratischen Debatte ist wichtig.

Ein entschlossenes Vorgehen gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen und demokratie-feindliche Tendenzen schützt unsere Demokratie langfristig.
Prävention und Bekämpfung
Um Extremismus in Deutschland zu bekämpfen, arbeiten Staat und Zivilgesellschaft zusammen. Der Staat verbietet extremistische Gruppen und beobachtet sie. Er verfolgt auch Extremisten streng.
Staatliche Maßnahmen
Der Verfassungsschutzbericht 2023 zeigt: In Deutschland gibt es etwa 37.000 Extremisten. Darunter sind 40.600 Linksextremisten, 27.200 Islamisten und 14.500 Rechtsextremisten. Besonders bedenklich sind 11.200 gewaltbereite Linksextremisten und 10.500 Islamisten.
Die Bundesregierung hat daher Initiativen wie das MOTRA-Projekt gestartet. Es soll helfen, Radikalisierungsprozesse besser zu verstehen.
Zivilgesellschaftliches Engagement
Das zivilgesellschaftliche Engagement ist auch wichtig. Es hilft, Extremismus zu verhindern und zu bekämpfen. Viele Projekte fördern Demokratie und unterstützen die Deradikalisierung.
Der Bundestag hat 2,5 Millionen Euro für ein Programm im Sport bereitgestellt. Es soll die demokratische Kraft im Sport stärken.
Staat und Zivilgesellschaft arbeiten hart daran, Extremismus zu bekämpfen. Sie wollen eine offene und demokratische Gesellschaft schützen.
Rolle der sozialen Medien
Soziale Medien werden immer wichtiger, um extremismus in sozialen medien zu verbreiten. Extremistische Gruppen nutzen das Internet, um ihre Ideen zu teilen. Sie suchen neue Anhänger und fördern radikalisierung im internet.
Rechtsextreme und islamistische Gruppen sind im Internet oft zu finden. Auch Linksextremisten nutzen digitale Medien. Jugendliche und junge Erwachsene verbringen viel Zeit in sozialen Netzwerken wie YouTube und Instagram.
Messenger-Dienste wie Telegram werden beliebter, da soziale Medien strenger reguliert werden. Extremisten finden in Blogs, Foren und Spielen gute Kanäle, um ihre Inhalte zu verbreiten.
Algorithmen in sozialen Medien beeinflussen, was wir sehen. Humorvolle extremistische Inhalte können sogar in den Mainstream gelangen. Das kann mehr Menschen erreichen.
Viele junge Menschen in Deutschland nutzen soziale Medien täglich. Sie finden dort Informationen und kommunizieren. Doch Filterblasen und Echokammern können entstehen, wo man selten andere Meinungen sieht.
Deswegen ist die Regulierung extremistischer Inhalte wichtig. Politik und Zivilgesellschaft müssen sich diesem Thema stellen.

“Soziale Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung und Verstärkung extremistischer Inhalte – das ist eine Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft stellen müssen.”
Extremismus
Extremismus in Deutschland ist komplex und vielschichtig. Es geht um Gruppen und Einzelpersonen, die gegen die Demokratie sind. Sie stellen die Menschenwürde infrage oder wollen eine Einparteiendiktatur.
Es gibt verschiedene Arten von Extremismus. Dazu gehören Rechtsextremismus, Linksextremismus und religiöser Extremismus. Rechtsextremisten wollen bestimmte Gruppen benachteiligen. Linksextremisten streben einen Zwangsstaat an. Alle Extremisten sind gegen die Demokratie.
Obwohl Extremismus nicht generell verboten ist, ist der Verfassungsschutz alarmiert. Er erkennt auch gewaltfreie Propaganda als extremistisch an.
Extremismusart | Mitgliederzahl (2018) | Charakteristika |
---|---|---|
Rechtsextremismus | ca. 24.000 (NPD) | Ablehnung der Menschenwürde, Benachteiligung bestimmter Gruppen |
Linksextremismus | ca. 32.000 (gesamt) | Streben nach Zwangsstaat, Entziehung politischer Rechte |
Religiöser Extremismus | k.A. | Ablehnung von Demokratie und Menschenrechten |
Staat und Zivilgesellschaft kämpfen gegen Extremismus. Es ist wichtig, alle Formen zu kennen und darauf zu reagieren.
Extremismus in Deutschland ist komplex. Es braucht entschlossene Maßnahmen von Staat und Gesellschaft. Nur so können wir die Gefahren bekämpfen.
Fazit
Extremismus ist eine große Gefahr für unsere Demokratie und den Zusammenhalt in Deutschland. Es gibt verschiedene Arten von Extremismus, wie Rechts-, Links- und religiösen Extremismus. Sie alle lehnen Vielfalt und Mehrdeutigkeit ab.
Es ist besorgniserregend, dass mehr Menschen, besonders junge, rechtsextreme Ideen annehmen. Um das zu stoppen, müssen wir alle zusammenarbeiten. Das betrifft den Staat und die Zivilgesellschaft.
Wir müssen vorbeugen, Extremisten entgegentreten und im Internet aktiv werden. Die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden und die Verfolgung von Straftaten sind wichtig. Auch die Selbstregulierung im Internet ist entscheidend.
Wir dürfen nicht aufgeben, weil wir an Demokratie und Zusammenhalt glauben. Nur so können wir unsere Demokratie schützen. So schaffen wir eine offene und vielfältige Gesellschaft, in der Extremismus keine Chance hat.